Mittwoch, 20. April 2011

Portal des Vergessens - Stephan R. Bellem

Eine schwächelnde Story mit Potenzial!

Portal des Vergessens

Klappentext:

"Jede Nacht wird Peter von Albträumen aus dem Schlaf gerissen. Träume, in denen das Schicksal einer
fremden Welt auf dem Spiel steht. Und mit jedem neuen Traumbild verblasst die Erinnerung an seine tote Familie mehr und mehr. Als die Grenzen zwischen Traumwelt und Realität immer weiter verwischen, vertraut Peter sich seiner Therapeutin, Dr. Wünschler, an. Doch kann sie ihn jetzt noch retten?  Der Kampf um Peters Wirklichkeit hat begonnen."

Zum Autor:

Stephan R. Bellem wurde 1981 in Heidelberg geboren. Nach dem Abitur schloss er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann ab, kehrte der Finanzwelt dann allerdings den Rücken, um Soziologie zu studieren. Zur Schriftstellerei kam er mit dreizehn Jahren - zunächst in Form von kurzen Texten für Rollenspiele oder Kurzgeschichten. Er lebt in Leipzig.

Autorenhomepage: http://www.srbellem.de/

(Aus: Portal des Vergessens, Informationen zum Autor)

Rezension

Peter ist eigentlich ein normaler junger Student, der allerdings die moderne Technik weniger verscheut, als mehr umweltschonendes und altmodisches Verhalten bevorzugt. Nach seinem Unfall kann er sich an nichts mehr aus seiner Kindheit erinnern. Und während er immer mehr sich selbst besser kennen lernen und sich erinnern möchte, suchen ihn Träume heim. Träume von einer anderen Welt, einer anderen Zeit, in der er die Hauptfigur, Vyrn, ist. Doch wie nah sind sich Traum und Realität? Wie schmal ist der Grad, der dazwischenliegt?

Mit "Portal des Vergessens" habe ich das erste Mal richtig eine Geschichte gelesen, die Parallelwelten so deutlich im Vordergrund der Thematik hat. Die einzelnen Kapitel tragen die Überschriften derjenigen Personen, von denen das Kapitel handelt und aus deren Sicht es geschrieben ist.
Zu Beginn braucht man etwas, um in die Geschichte reinzufinden. Es wirkt noch ziemlich konstruiert, jedoch findet der Autor schnell in seine eigene Geschichte und weiß den Leser durchaus zu fesseln. Die Sprünge zwischen den Hauptcharakteren Vryn und Peter sind durchaus gezielt und passend gewählt, sodass dem Leser nichts von der Geschichte vorweg genommen wird und genau zur richtigen Zeit Informationen gegeben und Geheimnisse gelüftet werden.

Der Plot dahinter ist zwar nicht sonderlich originell, hat jedoch viel Potenzial - das leider nicht vollends genutzt wurde. Der Leser hat kaum die Möglichkeit, richtig in die Geschichte einzutauchen. Es fehlen Pausen, ständig passiert was, sodass man nicht den einen Moment vollkommen auskosten kann, sondern man quasi von Ereignis zu Ereignis hetzt und ide vielen Sprünge in der Geschichte teilweise zu schnell kommen. Vor allem hat man das Gefühl, dass der Autor schnell alles runtererzählen will. Ich sage nicht, dass man nicht merkt, dass viel Arbeit und Fleiß in die Geschichte gefloßen sind, allerdings bekommt der Leser keine Tiefe in der Geschichte geboten.

Bei den Charakteren musste ich auch öfter schlucken: Barvhan und Rhulfar, zwei Sonnenkrieger und weltweit berühmt für ihre Heldentaten (stehen sich allerdings nun als Feinde gegenüber), benehmen sich kurz vor dem Kampf wie zwei Kinder, die sich um Süßigkeiten streiten. Dass Peter nicht merkt, dass mit seiner Therapeutin etwas auch nicht ganz Koscha sein kann, ist mir auch rätselhaft. Dass er sich nicht fragt, wieso sie Wunden behandeln kann und so immens darauf ausgerichtet ist, dass er seine Träume blockiert. Und auch seine Sturheit, etwas zu glauben bzw. nicht zu glauben, z.B. als er Netyra sieht, wirkt irgendwie nicht echt. Neytra wiederrum ist durchaus ein glaubhafter Charakter und auch der mit der meisten Tiefe, obwohl sie eigentlich nur eine Nebenfigur darstellt. Zumindest ist sie ein wichtiger Faktor um vor allem das Charakterbild aufzuwerten. Denn leider bleiben die meisten Charaktere relativ gleich, es findet kaum eine Entwicklung statt. Neytra ist der einzige Charakter, der ansatzweise wechselhafte Eigenschaften widerspiegelt. Das Problem liegt denke ich einfach an der Art, wie die Charaktere agieren: nämlich entweder heftig oder gar nicht, bzw. gleichgültig. Es gibt kein Mittelmaß, keine Entwicklung, und wie jeder weiß entsteht z.B. auch ein Streit nicht durch Luft.

Daher können beim Leser leider auch kaum Emotionen aufkommen, die Geschichte bleibt zwar nicht flach, da sie durchaus Unterhaltung und spannende Szenen bieten kann, jedoch bringen relativ gleichbleibende Charaktere und eine durchschaubare Handlung nur kurzweiligen Spaß. Durch die geringe Komplexität ist es ein guter Fantasyroman für zwischendurch, den man durchaus lesen kann.
Zum Schluss möchte ich allerdings auch loben, dass ich am Ende das Gefühl hatte, wissen zu wollen, wie es weitergeht. Zwar gibt es noch keinerlei Informationen über einen zweiten Teil, allerdings würde ich den auf jeden Fall lesen, denn ich denke, dass das Potenzial für die Geschichte gegeben ist und der Autor dieses auch nutzen könnte. Und da am Ende noch einige Dinge offen sind, könnte eine Fortsetzung durchaus möglich sein.

So, zum Schluss vergebe ich 3 von 5 Sternen für diesen kurzweiligen, jedoch bestehenden Lesespaß.


Autor: Stephan R. Bellem
Fantasy - Roman
Verlag: Otherworld; Broschiert
Genrè: Fantasy, Roman
Preis: 14, 95 €

1 Kommentar:

  1. Eine schöne Rezi und ich finde dieses Blogdesgin und die Farbwahl echt schön

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