Donnerstag, 30. Mai 2013

Nachtpfahl [Projectbook 2]

Nachtpfahl

Ein Nachtpfahl auf der Straße, getaucht in trübes Licht. Grelle Blitze, umwölbende Stille.
Kälte, die die Glieder zusammenziehen ließ, wie ein Schatten den grauen Gedanken folgend.

Irrt sinnlos umher, ohne Frage, ohne Antwort. 
Zu finden das Eine, zu sterben doch ohne, nur wenige zu sehen, zu viele zu finden.
Gedanken verloren, trübhafte Nacht. Stille, schwarz wie der pechschwarze Rabe am Nachthimmel, dessen mächtiges Maul zu schnappen wagt, in so dunkler Stund'.

Gewahr, einfach ist's nicht. Blut an der Hand. Nicht rot, dunkel wie die Gedanken der Nacht. Von aschfallem grau bedeckt, Hände die greifen, ins Leere, nach Herz und Seele.

Herz? Oh nein.
Zerrissenheit, Verzweiflung, in einem schwarzen Umhang gehüllt, unter Deckung der schamlos krächzenden Krähen, das Maul weit offen, die Augen blutunterlaufen, Speichel, der aus ihnen fließt, gierige Blicke die stechen. 

Verstecken.

Tropfen um Tropfen, Schritt um Schritt, Tat um Tat, Angst um Angst, und Schmerz. Viel Schmerz.

Füllige Tränen, engelsblau gleich, zu Zeiten bitteren Daseins zu fristen, bitterer Geschmack.

Schlendert mit Mut, mit verbliebener Kraft, zum Nachtpfahl der Stadt. Lehnt, gibt auf, mit Tränen, die Kraft strömt hinaus.

Hell erwacht die Stadt vom Wimmern der Seele. Die Raben, sie krächzen.

Ein letzter Blick und still. Ruhe, die ihr bittendes Herz umfing. Doch kalt war es schon, schon lange.
Die Hand auf den Pfahl, gesäumt von grünen Pflanzen, von grauem Staub der Straßen bedeckt ; Dornen in der Hand. 

Ein letzter Bluttropfen. Die Augen geschlossen, ein letzter Atemzug. 

Stille. 

Der Tod als Erklärung.

Friedlicher Schlaf.

(c) Nazurka

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen