Mittwoch, 20. November 2013

Wild - Lena Klassen

Leider eine enttäuschende Dystopie.

Wild

Klappentext:

"Gezähmte Gefühle.
Eine Welt ohne Krankheit und Kummer.
Kein Leid und keine Leidenschaft.


Einmal wöchentlich bekommt jeder in "Neustadt" seine Glücksinjektion. Trotzdem ist die siebzehnjährige Pi nicht so glücklich wie alle anderen. Stimmt etwas nicht mit ihr? Oder warum darf sie nicht mit Lucky zusammen sein, ihrem besten Freund? Anders zu sein ist gefährlich, denn hinter dem Zaun, der "Neustadt" umgibt, liegt die Wildnis. Dort herrschen noch Krankheit und Gewalt - und dorthin werden alle verbannt, die aus der Reihe tanzen. Dann geschieht etwas Unfassbares: Die Glücksdroge versagt. Und plötzlich steht Pi vor der Entscheidung ihres Lebens: Liebe oder Freiheit?"

Informationen zur Autorin:

[...] Lena Klassen wurde 1971 in Moskau geboren und wuchs in Deutschland auf, wo sie Literaturwissenschaft, Angliszik und Philosophie studierte - bis hin zu ihrer Promotion an der Universität Bielefeld. Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Haus im ländlichen Westfalen.

(Aus: Das Hohe Spiel, Informationen zur Autorin)
Rezension
Alles scheint gut zu sein in "Neustadt": Jeder erhält einmal die Woche seine Glücksinjektion und schwimmt mit den anderen im Glücksstrom mit. Doch so, wie die Injektion bei den anderen wirkt, so ist es nicht bei Pi: Irgendwie nimmt sie alles gedämpft wahr. Als die Glücksdroge versagt und sie gemeinsam mit anderen vier Jugendlichen das erste Mal bei klarem Vestand ist und auch negative Emotionen fühlen kann, wird ihr schnell klar, dass Pi sich in einer heiklen Situation befindet. Denn wer sich auch nur einmal aus dem Glücksstrom entfernt, wird in die Wildnis verbannt. Ein Kampf um das Überleben, die Liebe und ihre Freiheit beginnt!

Mit Wild greift Lena Klassen eine interessante Grundidee innerhalb der Dystopie auf. Glücksinjektionen, welche den Figuren wöchentlich injeziert werden, sorgen dafür, dass keiner wahre Emotionen fühlen kann und reines Glück erlebt. Doch schnell wird auch die Kehrseite der Medaille sichtbar: Was passiert, wenn der Glücksstrom abreißt? Wenn man anders ist? Wenn man um sein Überleben fürchten muss, weil man nicht mehr ins System passt und sich sogar dagegen auflehnt? Dies sind alles Aspekte, welche in diesem Roman eine Rolle spielen und maßgeblich Handlung und Charaktere beeinflussen.

Pi wird hierbei als die Protagonistin der Story eingeführt - ein nettes, etwas schüchternes Mädchen ohne Hinweise auf Andersartigkeit. Doch ihre Verwirrung ist groß, als ihre Glücksinjektion nicht wirkt. Plötzlich fühlt Pi - negative, sowie positive Emotionen strömen auf sie ein und als Leser diese Verwirrung mitzuerleben und neu fühlen zu lernen war defnitiv sehr intensiv. Während der weiteren Ereignisse kristallisiert sich schnell heraus, dass Pi dabei eine recht große Entwicklung durchmacht, welche durchaus authentisch und nachvollziebar erscheint. Dennoch: War am Anfang durchaus Sympathie vorhanden, driftet diese leider mit vortschreitender Seitenzahl ab. Pi wird von einem netten und sympathischen Mädchen zu einer naiven und nervtödenden Figur, dessen Handlungsweise oft nicht wirklich transparent erscheinen. Und so ist es nicht nur bei dieser Figur: Auch die etwas wichtigeren Nebencharaktere wie z.B. Lucky, Pi's bester Freund oder auch Orion, entwickeln sich auf diese Art und Weise. Viele Nebenfiguren wirken blass und unauthentisch, sind nur da, um auf irgendeine Art und Weise die Handlung voranzutreiben und selbst die Motive der Antangonisten überzeugen nicht völlig.

Auch die Ereignisse innerhalb des Romans wirken teilweise völlig wahllos. Obgleich zu Beginn eine geordnete Storyline mit rotem Faden vorherrscht, verliert sich dies leider im zweiten Teil des Romans völlig. Beginnt die erste Hälfte noch vielleicht etwas langatmig und konstant, driften die Geschehnisse im zweiten Teil nur vor sich her. Flucht, Wildnis, Einöde, Flucht, Jagd, Verzeiflung - und wieder Jagd und Flucht und Einöde. So geht es dem Leser, welcher beim Voranschreiten zwar eine gewisse Spannung verspürt, diese allerdings auch immer wieder ausgebremst wird. Die Wildnis und ihre Überlebenden bleiben blass und ohne jeglichen Plan, es geht nur um's nackte Überleben mit strengen Regeln, denen sich Orion und Pi fügen müssen, wenn sie überleben möchten. Die Logik der Charaktere scheint abhanden gekommen zu sein, jeder handelt nach Gutdünken, Hoffnung gibt es keine. Und auch das vermeitliche Finale, welches ja so oft einen Roman doch noch retten kann, scheitert hier kläglich: Ein viel zu rasches Ende ohne große Hintergrundinformationen lassen den Leser nur voller Ungläubigkeit zurück. Leider, denn Potenzial besitzt die Story dennoch, obgleich sie am Ende an den Charakteren und der eintönigen und wahllosen Storyline scheitert.

Fazit

Wild von Lena Klassen ist eine potenziell gute Geschichte, die leider mangels Ausführung nicht überzeugen kann. Blasse Nebenfiguren, eine verwirrende zweite Hälfte und ein unglaubwürdiges Ende mitsamt der Eintönigkeit, welche mit dem Handlungsort der Wildnis einhergeht, lassen den Roman leider zu einer Enttäuschung werden. Wer allerdings über sowas hinwegsehen kann, der sollte ruhig seine eigene Leseerfahrung mit dem Roman machen, denn nichtsdestotrotz verbirgt sich hier eine interessante Grundidee.

Pro & Contra

+ Grundidee
+ Potenzial der Geschichte und der Figuren
+ Storyaufbau in der ersten Hälfte
+ Pi und und wie sie Emotionen entdeckt

o Relativ offenes Ende
o Flüssiger und verständlicher Sprachstil

- Blasse Nebenfiguren und nicht authentische Charaktere
- Viel zu schnelles und unglaubwürdiges Ende
- Storyaufbau verliert sich in zweiter Hälfte
- Unnahrbarkeit der Charaktere
- Nervenaufreibend, teils langatmig
- Wildnis
- Nebenfiguren nur da, um Handlung voranzutreiben

Bewertung:

Handlung: 2/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 2/5
Preis/Leistung: 2/5

Insgesamt:


Lena Klassen
Einzelband
Verlag: Drachenmond Verlag, Taschenbuch
Genre: Dystopie; Roman
Originaltitel: Wild
E.Termin: 11. März 2013 (Ausgabe von Drachenmond Verlag)
ISBN/ASIN: 3931989798
ISBN-13: 978-3931989798
Preis: 14,90 €, 384 Seiten

Kommentare:

  1. Danke für deine ehrliche Meinung! Obwohl ich das Buch ja im Hinterkopf hatte, werde ich es mir überlegen, denn deine Meinung sagt für mich viel
    LG Hanne

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  2. Habe noch gar nicht mitbekommen, dass es ein neues Buch von ihr gibt. Ich habe ihre "Maja Winter" Bücher und liebe die wirklich sehr. Schade, dass dir ihr neues Buch nicht gefallen hat, aber vielleicht solltest du es mal mit der Hohe Spiel Reihe probieren. Oder kennst du die vielleicht schon?

    Grüße
    P.

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    1. Hallo meine Liebe,

      ja, das kenne ich bereits und ich habe es verschlungen. Sowohl den ersten, als auch den zweiten Teil. Ich halte eigentlich viel von der Autorin und finde es selbst schade, dass der Roman mir so gar nicht zugesagt hat. Aber von ihr abwenden werde ich mich definitiv nicht!

      LG
      Nazurka

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  3. Huhu,
    ich bin gerade im 1. Drittel des Buches und finde es bis jetzt gar nicht so schlecht.
    Übrigens sehr schöner Blog, hast einen Leser mehr :)

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